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Android Automotive OS und Digital Car Key: Googles neuer Fokus

Liest man Googles I/O Ankündigungen, zeichnet sich ein immer stärkerer Fokus auf Autohersteller und das Infotainmentsystem ab. Kleinere Zahnrädchen verschieben sich, Android Auto wird beispielsweise ab Android 12 im Google Assistenten (Google Assistant Driving Mode) aufgehen und nicht mehr als eigenständige App verfügbar sein. Dazu passt die Ankündigung von Volkswagen, künftig auf Android Automotive als technischen Unterbau zu setzen, zuvor hatten bereits Polestar und Volvo als erste Hersteller gleiches angekündigt. Betrachtet man die API-Dokumentation, ist die angedachte Integration wirklich mächtig und wird nicht nur „Smartphone“-Funktionalität bereitstellen, wie beispielsweise telefonieren oder Entertainmentapps der Marke Spotify mirrorn, sondern tatsächlich fahrzeugspezifische Funktionen ansteuern: Klimaanlage, Lichteinstellungen und Antriebsmodulierungen.

Erwartungsgemäß werden die Hersteller wie in den Anfangstagen von Android fleissig customizen und Android Automotive nicht nur visuell ihrer Brand anpassen, sondern auch haufenweise custom Code für Funktionalität reinbacken. Spannend wird, wie Google hier Security und Update-Funktionalität lösen wird und wie weit die Hersteller es zulassen, dass Google wie bei Android 11/12 relevante Bereiche des OS zentral von Google „updaten“ lässt. Ich sehe hier schon künftiges Material für die Security Nightmares.

Ein nächster Baustein ist „Digital Car Key“ und „Fast Pair“: Im Prinzip reden wir hier über Keyless Go. Das Konzept ist nicht neu, entweder bringt man die Funktionalität im Schlüssel selbst unter oder über eine App: Im letzteren Fall benötigt es allerdings auf beiden Seiten Mobilfunk-Datenverbindungen, über welche die Tokens über Funkzellen und die Cloud hin und her geschickt werden. Damit lässt sich einiges an Funktionalität abbilden, vom Sicherheitsaspekt abgesehen ist allerdings die Latenz der Pferdefuß: Es fühlt sich eben mitunter etwas klobig und oft nicht flüssig genug an.

Fast Pair könnte dies lösen: Im Prinzip wird hier Bluetooth im Bereich Low Energy (BLE) genutzt, welches ursprünglich zum einfachen reconnecten von Kopfhörern und Boxen entworfen wurde. Mit „Digital Car Key“ über Fast Pair würde sich das Auto über sein Smartphone starten und bedienen lassen und würde den klassischen Autoschlüssel obsolet machen. BMW probiert derzeit ein ähnliches Konzept mit seinem ultra-wideband (UBW) Projekt. Familienmitglieder müssen sich also den physischen Schlüssel nicht mehr ausleihen, sie müssen in der entsprechenden „App“ nur vom Besitzer freigegeben werden. Xiaomi macht dies für sein Ökosystem um Luftreiniger und Saugrobotern bereits exakt so.

Google baut hier gerade sehr strategisch ein neues Ökosystem um die Autohersteller herum, welches Ähnlichkeiten zum Smartphonemarkt hat. Dabei scheint man Android Automotive OS nun mehr Priorität einzuräumen, in dem man die Redundanz zu Android Auto abbaut: Wie oben erwähnt, wird die Funktionalität von Android Auto künftig im Assistenten aufgehen. Mit an Bord der neuen Android Automotive Stoßrichtung sind mittlerweile nach VW und Volvo nun auch GM, Ford, Nissan, Mitsubishi und Renault.

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